Sozialstandards &
Sicherheit am Arbeitsplatz

Sozialstandards und Sicherheit am Arbeitsplatz

Weil wir von den Vorteilen der globalisierten, arbeitsteiligen Welt profitieren, sehen wir es als unsere Pflicht als global agierendes Unternehmen, Verantwortung für die Auswirkungen unserer Geschäftstätigkeit auf Menschen zu übernehmen und uns für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen einzusetzen.

Risikomanagement

Um die menschen- und umweltrechtsbezogenen Risiken in unserer Lieferkette frühzeitig zu erkennen und zu minimieren, wenden wir in der s.Oliver Group ein Risikomanagementsystem an, das sich an den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte, OECD Leitfaden für die Erfüllung der Sorgfaltspflicht sowie an den Vorgaben des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes (LkSG) orientiert. Das RMS besteht aus folgenden Prozessen: Risikoanalyse, Risikoprävention, Abhilfemaßnahmen und Beschwerdemechanismus sowie Berichterstattung.

1. Risikoanalyse

Im ersten Schritt identifizieren und bewerten wir im Rahmen der Risikoanalyse die menschen- und umweltrechtliche Situation in unseren Beschaffungsländern und für unsere Produktgruppen. Durch diesen Schritt verfügen wir als Unternehmen über ein breites Verständnis für die regionalen Besonderheiten der Länder, in denen unsere Produkte, Stoffe und Materialien hergestellt werden. Weiterhin werden die identifizierten Risiken nach Schwere, Umfang, Unumkehrbarkeit, Eintrittswahrscheinlichkeit sowie weiteren angemessenen Kriterien gewichtet und priorisiert, um effektive Gegenmaßnahmen implementieren zu können. Öffentliche Berichte unabhängiger Organisationen und Medien spielen für uns eine besonders wichtige Rolle als Informationsquelle. In besonderen Situationen treten wir außerdem in den direkten Dialog mit Interessengruppen wie Gewerkschaften, lokalen und internationalen Organisationen der Zivilgesellschaft, mit deren Hilfe, weitere Informationen über die spezifische Situation vor Ort gewinnen zu können.

2. Präventionsmaßnahmen

Im Rahmen der Präventionsmaßnahmen wird das Risikomanagementsystem in die relevanten Geschäftsabläufe der s.Oliver Group integriert und Mitarbeiter über Menschen- und Umweltrisiken informiert oder geschult. Zur Verhinderung und Minimierung festgestellten Risiken werden Beschaffungsstrategien und Einkaufspraktiken stetig weiterentwickelt und überprüft.

Bereits bei Geschäftsaufnahme bzw. innerhalb des Onboarding-Prozesses (wesentlicher Teil des Supplier Relationship Managements) überprüfen wir, ob unsere unmittelbaren Lieferanten die internationalen Mindeststandards und die Anforderungen unseres Verhaltenskodexes (Code of Conduct) erfüllen. Darüber hinaus verpflichten sich die Lieferanten, unseren Verhaltenskodex und zusätzliche Richtlinien (Policies) sowohl in ihrem Geschäftsbereich als auch bei ihren Lieferanten zu integrieren. Die Einhaltung wird regelmäßig durch unsere lokalen Auditteams (Sustainability Coordinators) oder unabhängige Dritte überprüft.

Wir stellen auch sicher, dass Produktteile oder Materialien aus Risikogebieten nicht in unserer Lieferkette auftauchen. Unsere Lieferanten müssen uns versichern, dass ihre Lieferanten oder ihre Produkte nicht aus Risikogebieten stammen. Auch indirekte Lieferanten werden von unseren Auditteams regelmäßig auf menschen- und umweltrechtliche Risiken überprüft.

Auch hier arbeiten wir mit nationalen und internationalen Partnern, um Schulungen und Weiterbildungen zur Durchsetzung der vertraglichen Zusicherungen der Zulieferer durchzuführen.

3. Abhilfemaßnahmen

Im Falle einer menschenrechts- oder umweltrechtsbezogenen Verletzung, ergreifen wir als verantwortungsvolles Unternehmen angemessene Abhilfemaßnahmen. Ist eine menschen- oder umweltrechtsbezogene Verletzung bestätigt, wird sie unserem Global Sustainability-Team unverzüglich gemeldet. Nach Prüfung des Falls erstellen wir dann einen gemeinsamen Entwicklungs- und Umsetzungsplan mit konkretem Zeitplan als Abhilfemaßnahme. Die Entwicklung des Plans erfolgt in Absprache mit den verschiedenen Interessensgruppen, wie Gewerkschaftsvertretern, lokalen NGOs und der Leitung der Produktionseinheit. Je nach Verletzung, können unterschiedlichen Maßnahmen implementiert werden u.a. Arbeitseinstellung, Abmahnung oder eine Überarbeitung der Richtlinien. Die Umsetzung des Plans wird von unseren lokalen Auditteams beaufsichtigt.

Wir haben auch einen Beschwerdemechanismus bei unseren Lieferanten integriert, der es Arbeiter:innen oder betroffenen Personen ermöglicht, Verstöße anonym zu melden. Beschwerden können auf jedem Kommunikationsweg eingereicht werden, u.a. per E-Mail an die folgende Adresse: complaints@soliver.com. Auch hier arbeiten wir mit daran, die Effektivität des Beschwerdemechanismus stetig zu erhöhen.

4. Berichterstattung

Der letzte Schritt unseres Risikomanagementsystems ist die Berichterstattung, in der wir unsere Sorgfaltspflicht gegenüber den identifizierten Risiken und Verletzungen darstellen. In enger Zusammenarbeit mit dem Textilbündnis haben wir die identifizierten Risiken veröffentlicht und Ziele für die vorbeugenden Maßnahmen festgelegt. Das beinhaltet beispielsweise das verbreitete Risiko der Missachtung der Koalitionsfreiheit, des Verbots der Ungleichbehandlung, Kinder und Zwangsarbeit in unserer Lieferkette. (Mehr erfährst du im Bericht über die identifizierten Risiken). Eine konsolidierte Berichterstattung unserer Sorgfaltspflichten wird auch hier zeitnah öffentlich zugänglich gemacht.

Um den identifizierten Risiken zu begegnen, implementieren wir ein umfassendes Maßnahmenpaket. Wir führen regelmäßig Sozialauditbei unseren Zulieferern durch, das auch Umweltthemen beinhaltet. Dies ermöglicht es uns, die Transparenz zu erhöhen und mit unseren Zulieferern in einen kontinuierlichen Dialog einzutreten, um Verbesserungen schrittweise zu implementieren. Außerdem führen wir Sozialprojekte mit internationalen Partnern wie Save the Children durch, um die identifizierten Risiken gemeinsam zu bekämpfen.

Auf Grundlage der Ergebnisse der Risikoanalyse haben wir menschenrechts- und umweltbezogenen Erwartungen an die eigenen Beschäftigten und Zulieferer in der Lieferkette:

  • Wir erwarten von unseren Beschäftigten und Zulieferern, dass alle international anerkannten Menschen- und Umweltrechte, die im Rahmen unserer vertraglichen/geschäftlichen Vereinbarungen hinterlegt sind, jederzeit respektiert und eingehalten werden.
  • Wir erwarten von unseren Beschäftigten und Zulieferern, dass diese sich bei der Prävention, Beendigung und Minimierung von menschenrechts- und umweltrechtbezogenen Risiken kooperativ zeigen.
  • Wir erwarten von unseren Zulieferern, dass eigene Zulieferer transparent offengelegt werden und Policies implementiert werden, um die Vorgaben des Verhaltenskodexes zu erfüllen
  • Wir erwarten von unseren Zulieferern, dass diese innerhalb ihres eigenen Geschäftsbereichs und bei ihren Zulieferern auf die vollständige Einhaltung des Verhaltenskodexes hinwirken

Auditierung

Um die im Verhaltenskodex festgelegten Standards und Richtlinien u.a. die Menschen- und die Umweltrechte in unserer Lieferkette sicherzustellen, führen wir regelmäßig Audits in den Produktionseinheiten unserer Lieferanten durch, identifizieren mögliche Risiken und überwachen ihre Leistung in Bezug auf diese Themen. Unser großer Fragebogen für die Audits enthält 110 Fragen für den Menschenrechtsteil und 9 Fragen für den Umweltteil, aktuell insbesondere im Hinblick auf gesetzliche Anforderungen.

Das Audit umfasst das Eröffnungsgespräch mit Manager:innen der Produktionseinheit, eine Dokumentenprüfung sowie Standortbesichtigung, die Durchführung von Interviews, die Bewertung der Ergebnisse und das abschließende Meeting mit dem Management zur Verbesserung der sozialen und umweltrechtlichen Standards der Produktionseinheit.  

Während der Besuche befragen unsere Auditteams die Arbeiter:innen und alle Gewerkschaftsvertreter:innen oder Arbeitnehmervertreter:innen unserer Produktionseinheiten vor Ort und erkundigen sich nach den Arbeitsbedingungen in den Produktionseinheiten. 71 der bestehenden unmittelbaren Lieferanten haben Gewerkschaften. Unsere Auditteams führen derzeit keine externen (off site) Interviews mit Arbeitnehmer:innen durch. Wir planen jedoch, solche Interviews in unseren zukünftigen Projekten mit internationalen Partnern aufzunehmen.

Unser Ziel für 2022 ist es, bei den Vorstufen (Tier 2) unser Auditprogramm auf 50% auszurollen und um die Transparenz noch weiter zu erhöhen. In jedem unserer Key-Sourcingmärkte wollen wir zudem auch einen Garn-Lieferanten (Tier 3) erstmals auditieren. 

In Zusammenarbeit mit der Fair Labor Association (FLA) werden stichprobenartig Auditierungen unserer Lieferanten durchgeführt. Die Ergebnisse werden auf der FLA-Plattform veröffentlicht. Diese findest du hier.

Beschwerdemechanismus

Der Verhaltenskodex fordert Lieferanten auf, nach Säule III der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte, ein wirksames internes Beschwerdesystem zu implementieren und zu betreiben und angemessene Korrekturmaßnahmen zu ergreifen.

Wir haben ein leicht zugängliches, vertrauliches und offenes Beschwerdesystem für alle eingerichtet, die in unserer Lieferkette nachteilige Auswirkungen auf die Menschenrechte und nachweisbare Anschuldigungen über unethisches Handeln aufdecken möchten.

Der Beschwerdemechanismus wird so eingerichtet, implementiert und betrieben, dass die Identität der meldenden Person und die Vertraulichkeit der übermittelten Informationen gewahrt bleiben. Wenn eine Beschwerde bei uns eingegangen ist, erhält der oder die Beschwerdeführer:in binnen 7 Tagen eine erste Eingangsbestätigung und innerhalb von 3 Monaten eine Rückmeldung über ergriffene Maßnahmen.

Beschwerden können auf jedem Kommunikationsweg, vorzugsweise aber per E-Mail an folgende Adresse vorgebracht werden: complaints@de.soliver.com

Die E-Mail-Adresse wird auch auf dem One-Pager unseres Verhaltenskodex angegeben, der Bestandteil des Beschaffungsvertrags ist. Wir erwarten, dass der Lieferant den One-Pager an die jeweiligen Produzenten kommuniziert und dass er an der Wand der Produktionseinheit aufgehängt wird. Die Umsetzung des One-Pagers wird darüber hinaus bei jedem Audit durch unsere Mitarbeiter:innen geprüft.

Nach dem Eingang einer Meldung werden wir die Beschwerde untersuchen und verifizieren. Falls die Beschwerde als gültig eingestuft wird, werden wir die Abhilfemaßnahmen wie oben beschrieben ergreifen.

Unsere Mitarbeiter:innen sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. Der Schutz der Identität der beschwerdeführenden Person ist für uns von zentraler Bedeutung. Es kann jedoch sein, dass wir unter gewissen Umständen gesetzlich, durch rechtskräftige gerichtliche Anordnung oder durch rechtskräftige behördliche Anordnungen dazu verpflichtet sind, vertrauliche Informationen offenzulegen. Falls die Ermittlungen die Offenlegung der Identität erfordern, werden wir die Person vorab informieren. Darüber hinaus weisen wir auch darauf hin, dass bestimmte Informationen oder Ermittlungen zu einer indirekten Identifizierung einer Person führen können. Deswegen ergreifen wir im Zweifelsfall alle angemessenen Maßnahmen , um den oder die Beschwerdeführer:in vor Vergeltungsmaßnahmen, Repressalien oder Nachteilen infolge der Preisgabe von Informationen zu schützen. Eine Beschwerde kann außerdem jederzeit zurückgezogen werden.

German Partnership for Sustainable Textiles (PST), the Fair Wear Foundation (FWF) and the Dutch Agreement on Sustainable Garments and Textiles (AGT) have launched a pilot project in India, a new cooperation for improve access to proper remedy for workers regarding any concern or complaints. Workers will get trained and proper channel to address their grievance through a confidential hotline. To ensure easy access to the helpline, workers have the opportunity to reach the helpline in local language.

Angemessene Löhne

Verantwortungsvolle Einkaufspraktiken, etwa bezüglich strategischer Planung und Prognose, stellen neben branchenweiter Kollaboration sowie der Durchsetzung branchenweiter Tarifverträge in den Produktionsländern einen wichtigen Faktor dar, um existenzsichernde Löhne zu ermöglichen.

Bis 2025 wollen wir gemeinsam mit zwei Hauptlieferanten in einem Pilotprojekt Transparenz schaffen und an der  Zahlung existenzsichernder Löhne arbeiten.